Silvesterverletzungen

Aus der Praxis des Evangelischen Krankenhauses. Heute: Handverletzung durch Böller.

Sandra T. und ihre Freunde feiern eine Silvesterparty.

Natürlich gehören auch Böller und Raketen dazu. Ein Bekannter drückt Sandra T. einen dicken Böller in die Hand. "Hier, mach du auch mal", sagt er und lässt die verdutzte junge Frau stehen. Sie will ihn schnell wegwerfen, reagiert aber zu langsam und der Böller explodiert in ihrer Hand.

   

Chefarzt Dr. med.
Christian Soimaru
Tel.: 0208 309-2490
Fax: 0208 309-2493
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„An jedem Jahreswechsel behandeln wir mehrere Patienten mit schweren Handverletzungen und Verbrennungen durch Silvesterböller“, sagt Dr. Christian Soimaru, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM). Sandra T. hat schwerste Verletzungen an der Hand, ist geschockt und hat Schmerzen. Sie kann ihren Daumen nicht mehr bewegen.

„In einer solchen Situation muss auf jeden Fall ein Notarzt gerufen werden“, sagt Dr. Soimaru. Schwere Verletzungen an der Hand müssen von Experten so schnell wie möglich versorgt werden, denn die Hand ist ein komplexes Gebilde und Verletzungen, die falsch oder zu spät behandelt werden, können ihre Funktion dauerhaft einschränken. „Sie ist eines der wichtigsten Bewegungsorgane des menschlichen Körpers: Wir brauchen die Hände als Greifwerkzeug in vielen Situationen des Alltagslebens. Über die reine Greiffunktion hinaus sind unsere Hände aber viel mehr: Mit unseren Händen kommunizieren, signalisieren und gestikulieren wir, sie können Trost spenden.

Die Freunde von Sandra T. rufen einen Notarzt und versorgen sie.

„Die Wunde muss steril verbunden werden“, rät Dr. Soimaru. „Jedes Auto hat entsprechendes Material im Erste-Hilfe-Kasten.“ Außerdem muss die Wunde bei Verbrennungen gekühlt werden, zum Beispiel mit kaltem, sauberem Wasser.

 

 

Sandra T. kommt in ein Krankenhaus. „Im EKM steht rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche ein handchirurgischer Bereitschaftsdienst zur Verfügung, so dass die Patienten schon in der Zentralambulanz von einem Spezialisten für diese Verletzungen behandelt werden“, sagt Dr. Soimaru. Sandra T.s Daumen ist halb abgetrennt durch die Wucht der Explosion. „Explosionsverletzungen sind oft problematisch. Denn dabei zerreißen Strukturen wie Knochen, Gefäße, Nerven und Sehnen. Diese Art der Verletzung kann oft nicht einfach wieder zusammengenäht werden, wie es bei einem glatten Schnitt möglich wäre“, berichtet Dr. Soimaru. Die Ärzte rekonstruieren den Daumen wieder – das geht Schritt für Schritt und mit Hilfe eines Operationsmikroskops. Teilweise müssen zerrissene funktionelle Strukturen durch Entnahme von unverletztem Gewebe von anderer Körperstelle aufwendig rekonstruiert werden.

 

 

Sandra T. muss insgesamt drei Mal operiert werden, bis die Rekonstruktion ihres Daumens zu einer dauerhaften Abheilung führt. Erst Monate nach der intensiven Physiotherapie können verbleibende Funktionseinschränkungen registriert werden, die dann gegebenenfalls noch weitere operative Korrekturen nach sich ziehen. Sandra T. erhielt ein Jahr nach der Verletzung nochmals eine operative Korrektur, die ihr schließlich die volle Daumenbeweglichkeit zurückbrachte.

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Weitere Geschichten aus dem Krankenhausalltag finden Sie hier.
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Info-Box

Ist ein Körperteil wie z.B. ein Finger abgerissen, sollte er in einen sauberen Plastikbeutel gelegt werden. Dieser Beutel soll in einen zweiten Beutel oder eine Schüssel gegeben werden, der mit kaltem Wasser mit Eisstücken gefüllt ist. Niemals Teile direkt auf Eis legen, das führt dazu, dass das Gewebe abstirbt.

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