Delir

An dieser Stelle stellen wir Themen aus dem Krankenhaus- und Patientenalltag vor. Mit fiktiven Patientengeschichten und für den Laien verständlich geschrieben erklären unsere Chefärzte, was genau ein Reizmagen ist oder warum es wichtig ist, Rollatoren richtig einzustellen. Die Texte dieser Serie wurden auch in der Mülheimer Woche veröffentlicht.

Erwin Z. kommt nach einem Sturz ins Krankenhaus

Der 75-Jährige ist verwirrt und desorientiert. Aus seinem Bundesmedikamentenplan, den er in seinem Portemonnaie hat, geht hervor, dass er Medikamente gegen eine Demenz einnimmt.

Erwin Z. war noch nie in diesem Krankenhaus,...

die Mitarbeitenden kennen ihn nicht. Da sein Sohn auf einer Dienstreise ist, ist er alleine im Krankenhaus. Erwin Z. spricht undeutlich und hat Halluzinationen. „Auf den ersten Blick können wir die Symptome eines Delirs nicht erkennen“, sagt Christian Triebel, Chefarzt der Medizinischen Klinik für Geriatrie und Neurogeriatrie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM). „Ein Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der so er frühzeitig behandelt wird sich zumeist gut und vollständig zurückbildet. Wir wissen aber nicht: Ist der Patient immer so – oder ist es ein akutes und neu aufgetretenes Zustandsbild, das dringend weiter untersucht werden muss.“

   

Oberarzt Hans Christian Triebel

Chefarzt

Christian Triebel

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Die Ärzte behandeln Erwin Z. unter anderem wegen eines Infekts...

den sie bei der Untersuchung entdecken. Die Verwirrtheit und Halluzinationen schreiben sie der Demenz zu – und der für Erwin Z. stressigen Situation. Am nächsten Tag besucht der Sohn seinen Vater im Krankenhaus. Erwin Z. liegt im Bett und ist „platt und müde“. Er kann nachts nicht schlafen, ist verwirrt und der Sohn kann kaum verstehen, was er erzählt. So kennt er seinen Vater nicht: Normalerweise ist der 75-Jährige fit, spielt sogar noch Skat mit seinen Freunden. Der Sohn spricht die Pflegekraft darauf an. „Es ist enorm wichtig, dass die Angehörigen uns alles an Symptomen oder Auffälligkeiten mitteilen, was ungewöhnlich und vor allem neu aufgetreten ist“, sagt Triebel

Erwin Z. leidet an einem Delir

Die Symptome dieser Erkrankung sind unspezifisch und auch die Ursache ist nicht eindeutig. „Es gibt verschiedene Risikofaktoren“, sagt Triebel. „Ältere Männer sind beispielsweise besonders betroffen.“ Auslöser des Delirs können Schmerzen sein, wie bei Erwin Z., der gestürzt ist. Aber auch ein neues Medikament oder das Absetzen eines Medikaments können es auslösen, ebenso ein Schlaganfall oder ein Infekt. „Alles, was den Regelkreislauf im Körper stört.“ Ein Delir tritt plötzlich auf und kann dafür sorgen, dass der Patient tagsüber hypoaktiv, also fast apathisch ist, und abends hyperaktiv, also aufgedreht.

Erwin Z. leidet an einem hypoaktiven Delir

Die Ärzte behandeln die Ursache: Der Infekt und die Schmerzen nach dem Sturz werden therapiert. „Außerdem ist eine reizarme Umgebung wichtig“, erklärt Triebel. Erwin Z. bekommt ein Einzelzimmer, der Fernseher und das Radio bleiben ausgeschaltet. Die Pflegekräfte achten darauf, dass der 75-Jährige seine Brille trägt, damit er gut sehen kann. Sein Sohn ist so oft wie möglich als vertraute Bezugsperson bei ihm. Die Ärzte behandeln auch die Symptome wie die Schlafstörungen und überprüfen die bestehende Medikation.

 

„Es ist wichtig, ein Delir früh zu erkennen und zu behandeln“, sagt Triebel. Denn es kann zu einer chronischen Krankheit werden, in Demenz umschlagen oder eine vorhandene Demenz verschlimmern. Bei Erwin Z. wirkt die Therapie. Und schon nach drei Wochen spielt er wieder Skat mit seinen Freunden.

Unsere Kliniken sind auf ältere Patienten eingestellt. 

Die Klinik dient der stationären medizinischen Versorgung von Patienten, die in der Regel 70 Jahre und älter sind. Weil Patienten in diesem Alter oft an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden (Multimorbidität), besteht hier ein besonderer Behandlungsbedarf. Mehr »

Info-Box:

In manchen Fällen ist auch eine spezifische medikamentöse Therapie des Delirs notwendig.

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