Tic-Störung bei Kindern

An dieser Stelle stellen wir Themen aus dem Krankenhaus- und Patientenalltag vor. Mit fiktiven Patientengeschichten und für den Laien verständlich geschrieben erklären unsere Chefärzte, was genau ein Reizmagen ist oder warum es wichtig ist, Rollatoren richtig einzustellen. Die Texte dieser Serie wurden auch in der Mülheimer Woche veröffentlicht.

Lucas Mutter ist ein wenig beunruhigt, als der Klassenlehrer sie zu einem Gespräch bittet.

Luca ist acht Jahre alt und ein unkomplizierter, gesunder Junge. Seine Mutter weiß von keinen Problemen in der Schule. Bei der Rechtschreibung ist er oft unsicher, aber das gibt sich, denkt sie. Ob das der Grund für das Gespräch ist?

„Ist es nicht. Dem Lehrer ist im Unterricht aufgefallen, dass Luca oft und stark blinzelt, dass er vermehrt mit einer Schulter zuckt. Kurzentschlossen geht sie mit ihrem Sohn zum Kinderarzt. „Das Blinzeln und Schulterzucken weist auf eine einfache motorische Tic-Störung hin“, sagt Melanie Busse, Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) im Ev. Krankenhaus Mülheim (EKM). „Eine solche Störung tritt in diesem Alter nicht selten auf, häufig im Schulter- und Kopfbereich, ist aber meist harmlos und geht von selbst wieder weg.“ Dennoch ist es wichtig, nach einer eventuellen Ursache zu suchen.

Ärztliche Leiterin

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SPZ Mülheim

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Melanie Busse

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Das sagt auch der Kinderarzt und fragt Luca, wie es ihm geht und ob ihn etwas belastet.

Luca zögert erst, sagt dann aber, dass er sich in der Schule oft nicht gut konzentrieren kann und er wegen der Noten, die er nun in der dritten Klasse bekommt, ein wenig Angst hat.

Der Kinderarzt überweist Luca ins SPZ, um die Tic-Störung und die Konzentrationsprobleme genauer untersuchen zu lassen. Um eine organische Ursache auszuschließen, wird Luca dort neurologisch untersucht. Das EEG ist unauffällig, Luca hat kein Anfallsleiden. „Wir machen im SPZ bei Bedarf auch eine umfangreiche psychologische Diagnostik.“ Dabei wird klar, dass Luca Aufmerksamkeitsprobleme und eine isolierte Rechtschreibstörung hat.


Seine Mutter erzählt außerdem, dass Luca vor den Sommerferien eine Phase hatte, in der er sich andauernd geräuspert hat. Angefangen hat es mit einem Infekt mit Husten, das Räuspern blieb noch lange Zeit, verschwand dann aber von selbst. „Tic-Störungen müssen nicht immer gleich aussehen, die Symptome können variieren. Auch vokale Tics sind möglich.“, sagt Busse. Es gibt üblicherweise auch Phasen, in denen die Tics verstärkt auftreten, und Phasen, in denen sie fast verschwunden sind.


Das Team des SPZ vereinbart mit Luca und seiner Mutter, dass er ein Gruppenkonzentrationstraining macht und mit einer Therapeutin verschiedene Techniken übt, um sich zu entspannen. „Diese Tics sind ausgeprägter, wenn das Kind unter Druck oder Anspannung steht.“ Das SPZ empfiehlt außerdem einen Nachteilsausgleich wegen Lucas Rechtschreib-Störung. Das bedeutet, dass die Schule Luca zum Beispiel mehr Zeit bei Klassenarbeiten einräumen oder seine Rechtschreibung weniger streng bewerten kann. „Das entscheiden die Schulen aber selbst.“ Luca erhält in der Schule Rechtschreibförderung. Außerdem rät Melanie Busse, dem Tic nicht viel Aufmerksamkeit zu schenken. Nach drei Monaten ist der Tic bei Luca verschwunden.

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