Vollnarkose

Sabrina Z. hat sich bei einem Reitunfall den Oberschenkel gebrochen. Sie muss operiert werden. Doch die junge Mutter von zwei kleinen Kindern hat panische Angst vor der Vollnarkose. Im Gespräch mit ihrem Mann kann sie gar nicht genau sagen, wovor sie Angst hat. Davor, dass sie nie mehr aufwacht und ihre Kinder ohne Mutter aufwachsen. Und auch vor solchen Kleinigkeiten, dass sie unter der Narkose Geheimnisse ausplaudert.


Chefärztin Prof. Dr. med. Eva Kottenberg, DEAA, MHBA

Chefärztin Prof. Dr. med.
Eva Kottenberg, DEAA, MHBA
Tel.: 0208 309-2451
Fax: 0208 309-2458
mehr »
Email »
Sekretariat »

Frau Prof. Dr. Eva Kottenberg kennt dieses Problem. Die Chefärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM) weiß, dass die Patienten oft mehr Angst vor der Narkose haben als vor der eigentlichen Operation. „Die Allgemeinanästhesie ist der sicherste Zustand überhaupt“, erklärt sie. Der Sauerstoffgehalt, der in der Luft 21 Prozent beträgt, liegt während der Narkose nie unter 30 Prozent. Über verschiedene Monitore werden die Funktionen von Lunge, Herz, Kreislauf, Leber und Niere permanent überwacht und auch die Körpertemperatur wird ständig kontrolliert. „Und sogar wenn die Geräte alle ausfallen, können wir den Patienten weiter optimal versorgen.“

Patient ist in der Narkose nie alleine

Im Vorgespräch, das ein Anästhesist mit jedem Patienten vor der Operation führt, spricht Sabrina Z. von der Befürchtung, dass der Anästhesist sie verlässt und zu einem anderen Patienten gerufen wird. „Das passiert nicht“, beruhigt Frau Prof. Dr. Kottenberg. Im Gegenteil: „Während der Anästhesie sind permanent ein Anästhesist und eine Pflegekraft bei den Patienten – sie werden nie allein gelassen.“ Sabrina Z. erzählt auch von ihrer Angst, peinliche Dinge zu erzählen, während sie in der Narkose ist. „Das ist rein physikalisch überhaupt nicht möglich“, erklärt Frau Prof. Dr. Kottenberg. Denn der Beatmungsschlauch blockiert die Stimmritze, so dass der Patient nicht sprechen kann.

 

Bei all diesen konkreten Ängsten kann Frau Prof. Dr. Kottenberg die Patientin beruhigen. Die diffuse Angst vor der Narkose kann sie ihr aber nicht ganz nehmen. „Diese Angst beruht sicher auch darauf, dass ich mich fremden Menschen ausliefere“, sagt Frau Prof. Dr. Kottenberg. „Um all diesen Ängsten vorzubeugen und sie möglichst auszuräumen, bedarf es eines ausführlichen Gespräches und einer Aufklärung unter Berücksichtigung von allen Ängsten, Zweifeln und Fragen. Die Basis ist dabei das Vertrauen zum Anästhesisten und dieses muss er in dem präoperativen Gespräch erwerben und festigen. Und das kostet Zeit und verlangt auch viel Empathie“. Um die Patienten zu beruhigen, können sie – wenn sie möchten – Medikamente erhalten, die ihre Angst lösen. Sabrina Z. nimmt das Angebot gerne an und erhält sowohl am Abend vor der Operation als auch am Morgen eine entsprechende angstlösende Tablette. Und sie denkt an zwei Zahlen, die ihr Frau Prof. Dr. Kottenberg mit auf den Weg gegeben hat: Am EKM werden jährlich 11.000 Anästhesien durchgeführt. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient durch die Folgen einer Anästhesie stirbt, liegt bei 1 zu 500.000, also unwahrscheinlicher als ein Flugzeugabsturz“, weiß Prof. Kottenberg. „Gefährlicher ist die Autofahrt zum Krankenhaus. Die Anästhesie hat eine rasante Sicherheits-Entwicklung über die letzten Jahrzehnte gemacht. Von 1950 bis heute ist die Anästhesie 60-fach sicherer geworden und das, obwohl die Patienten älter geworden sind und damit auch mehr Begleiterkrankungen aufweisen.“  

INFO: Eine Allgemeinanästhesie, auch Vollnarkose genannt,  besteht aus vier Komponenten:  der Schmerzfreiheit (Analgesie),  der Bewusstlosigkeit (Hypnose), der Muskelentspannung (Muskelrelaxierung) und der Reflexunterdrückung.

Eine Kooperation mit

( )