Spät sprechende Kinder

An dieser Stelle stellen wir Themen aus dem Krankenhaus- und Patientenalltag vor. Mit fiktiven Patientengeschichten und für den Laien verständlich geschrieben erklären unsere Chefärzte, was genau ein Reizmagen ist oder warum es wichtig ist, Rollatoren richtig einzustellen. Die Texte dieser Serie wurden auch in der Mülheimer Woche veröffentlicht.

Seine Eltern sind ganz verliebt in Max, ihren gut zwei Jahre alten Sohn

Er ist ein neugieriges Kind, das gerne mit anderen Kindern spielt. Seine Mutter geht mit ihm in eine Krabbelgruppe – und bemerkt, dass Max im Vergleich zu anderen Kindern wenig sagt.

 

Max‘ Mutter spricht bei der U7 die Kinderärztin darauf an. „Normalerweise sagen Kinder um das erste Lebensjahr herum einfache Worte wie Mama, Papa oder Ball“, sagt Melanie Busse, Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Evangelischen Krankenhauses Mülheim. Max war schon eineinhalb, als er sein erstes Wort sprach.

Ärztliche Leiterin

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SPZ Mülheim

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Max‘ Mutter soll nun alle Worte aufschreiben, die der 27 Monate alte Junge sagt, auch Laute wie „brummbrumm“ oder „Nane“ für Banane. Die Liste ist nicht lang: Zwölf Worte stehen darauf. „Eigentlich sollten Kinder in diesem Alter um die 50 Wörter sprechen. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass die Kinder Zwei-Wort-Kombinationen bilden“, sagt Sabrina Palatzky, Diplom-Sprachheilpädagogin am SPZ.

Max’ Verhalten kann viele Ursachen haben

Die Kinderärztin überweist ihn daher zunächst an einen Facharzt für Hörstörungen bei Kindern (Pädaudiologie). Bei Max liegen aber keine Hörprobleme vor, seine Kinderärztin schickt ihn zum SPZ. Eine ausführliche Befragung dort klärt, ob andere Familienmitglieder ebenfalls spät angefangen haben, zu sprechen. „Wir machen außerdem ein Schlaf-EEG, um zu sehen, ob es vielleicht im Gehirn Veränderungen gibt, welche die Sprachentwicklungsstörung erklären“, sagt Melanie Busse. Weitere Untersuchungen überprüfen, ob Max allgemein in seiner Entwicklung verzögert ist. Doch alle Ergebnisse zeigen: Es ist nur die Sprache betroffen.

Bei der logopädischen Diagnostik überprüft die Sprachheilpädagogin Quantität und Qualität von Max‘ Worten

„Zur Überprüfung des Sprachverständnisses zeigen wir ihm Bilder und bitten ihn zum Beispiel: Zeig den Hasen“, sagt Sabrina Palatzky. Sie prüft auch, wie Max sich ausdrückt. „Wir bitten ihn, verschiedene Dinge auf Bildern zu benennen.“ Das Resultat: Max‘ Sprachverständnis ist gut, aber sein Wortschatz zu gering. Max ist ein sogenannter „Late Talker“. Das SPZ empfiehlt eine Sprachtherapie. „Je früher man in diesem Falle ansetzt, desto besser ist es“, betont Busse

Die Sprachheilpädagogin bespricht dann mit den Eltern, wie sie Max unterstützen können. „Vorlesen und gemeinsam Bilderbücher anschauen ist dabei ein wichtiger Punkt“, sagt Palatzky. Eltern sollen ihre Kinder außerdem in einfachen, aber vollständigen Sätzen korrigieren. Wenn das Kind „Nane“ sagt, dann können die Eltern sagen „Ja, stimmt. Das ist eine Banane.“ Und sie sollten nicht in Babysprache verfallen.

 

Max‘ Kinderärztin verordnet ihm zehn Sitzungen bei einem Logopäden. Seine Eltern sind bei der Therapie dabei, um zu lernen wie sie sich sprachfördernd verhalten können. Bei Max zeigt die Therapie und die Begleitung durch die Eltern gute Ergebnisse: Sein Wortschatz wächst schnell und seine Kinderärztin ist bei der Kontrolle bereits sehr zufrieden. Eine weitere Vorstellung im SPZ ist nicht mehr notwendig.

Weitere Hilfe

Sozialpädiatrisches Zentrum Mülheim

• Bei Sprachproblemen hilft auch die sprachtherapeutische Beratungsstelle der Stadt weiter: www.muelheim-ruhr.de

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