Darmkrebs-Vorsorge

An dieser Stelle stellen wir Themen aus dem Krankenhaus- und Patientenalltag vor. Mit fiktiven Patientengeschichten und für den Laien verständlich geschrieben erklären unsere Chefärzte, was genau ein Reizmagen ist oder warum es wichtig ist, Rollatoren richtig einzustellen. Die Texte dieser Serie wurden auch in der Mülheimer Woche veröffentlicht. 

Manchmal hört Sara mitten im Satz auf zu sprechen

Sara Y. ist in der ersten Klasse. Sie ist gut in der Schule und hat Spaß am Lernen. Aber ihrem Lehrer fällt auf, dass sie immer wieder verträumt aus dem Fenster schaut, mitten im Satz den Faden verliert oder ganz aufhört zu sprechen. Als der Lehrer die Eltern darauf anspricht, ist das für diese nichts Neues. Auch zuhause ist ihnen schon öfter aufgefallen, dass Sara abwesend ist. Der Lehrer tippt auf ADS und empfiehlt einen Besuch beim Kinderarzt.

Sara ist wie weggetreten

Dass auch dem Lehrer Saras Verhalten aufgefallen ist, beunruhigt die Eltern. Sie beobachten ihre Tochter genau und stellen fest, dass diese verträumten Augenblicke zwar nur kurz sind, sie können sie in diesen Momenten aber nicht ansprechen. Und wenn sie Sara am Arm antippen, reagiert das Mädchen nicht unmittelbar.

 

 

 

„ADS ist eine Aufmerksamkeits-Defizit-Störung“, sagt Melanie Busse, Ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) Mülheim. Anders als bei der ADHS, der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, sind die Kinder nicht hyperaktiv, sondern gelten als „Träumerchen“. „ADS wird oft nicht erkannt, weil die Kinder sich eher unauffällig verhalten“, sagt Melanie Busse.

   

Ärztliche Leiterin

Ärztliche Leiterin

SPZ Mülheim

Melanie Busse

Tel.: 0208 309-2570

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Die Eltern gehen mit Sara Y. zum Kinderarzt und beschreiben ihm genau, was sie bei ihrer Tochter beobachtet haben. Der Kinderarzt veranlasst daraufhin ein EEG, um die Hirnströme zu messen. Das Ergebnis: Sara Y. leidet nicht an ADS, sondern an Epilepsie. Für die Eltern ist das erst einmal ein Schock.

Epilepsie muss nicht mit Krämpfen einhergehen

„Epilepsie bedeutet nicht immer, dass die Betroffenen große Anfälle mit Muskelzuckungen erleiden“, sagt Melanie Busse. „Bei der Absence-Epilepsie sind es anfangs kurze Abwesenheiten, die nur Sekunden dauern.“ So wie bei Sara Y. „Während dieser Absencen sind die Kinder nicht ansprechbar, sie reagieren auch nicht auf körperliche Reize wie ein Antippen.“ Diese Anfälle treten täglich und manchmal sehr häufig auf. Wenn Eltern solch ein Verhalten bemerken, sollten sie es nach Möglichkeit filmen, rät die Kinderneurologin. Denn der Kinderarztkann dabei eventuell bestimmte Muster erkennen, zum Beispiel, dass die Augen sich nach oben verdrehen.

Ausgelöst werden epileptische Anfälle durch eine Übererregbarkeit von Nervenzellen im Gehirn. Die Hirnzellen senden Signale, obwohl sie es gar nicht sollten. Dadurch wird das geregelte Denken unterbrochen. „Die Summe der vielen kleinen Anfälle kann dauerhafte Schäden im Gehirn verursachen“, sagt Melanie Busse. Darum sei es wichtig, dass die Krankheit frühzeitig erkannt wird.  

Der Kinderarzt kann die Eltern von Sara Y. beruhigen. Die Absencen-Epilepsie ist medikamentös gut behandelbar. Sara Y. bekommt Medikamente, die sie eine Zeit lang einnehmen muss. Es erfolgen regelmäßige EEG-Kontrollen. Nach etwa zwei Jahren kann bei Sara Y. die Medikation nach zweijähriger Anfallsfreiheit zunächst reduziert und schließlich ganz abgesetzt werden. 

Infobox

EEG seht für Elektroenzephalografie. Bei dieser Untersuchung, die rund 20 Minuten dauert, gibt es keine Risiken oder Komplikationen. Der Patient zieht eine Haube an, in der Elektroden befestigt sind. Darüber wird die elektrische Aktivität der Hirnrinde gemessen.

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