Klinik für Unfall-, Wirbelsäulenchirurgie und Orthopädie

Die Klinik bietet ein breites Leistungsspektrum bei Erkrankungen und Verletzungen am Skelettsystem und dem Bewegungsapparat. Klassische orthopädische Krankheitsbilder und die Unfallversorgung bilden dabei Schwerpunkte.

Leitung

Chefarzt
Dr. med. Ulf Kerkhoff
Tel.: 0208 309-2461
Fax: 0208 309-2465
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Knie-Arthroskopie/Gelenkspiegelung

Einführung

Die Arthroskopie, häufig auch Gelenkspiegelung genannt, ist eine Form der Endoskopie. Dieses Verfahren ermöglicht es, Gelenke minimal-invasiv (d.h. ohne große Hautschnitte) zu untersuchen und häufig auch sofort zu behandeln. Die Arthroskopie ersetzt mittlerweile viele Gelenkoperationen, für die früher ein offener Eingriff mit großem Schnitt notwendig war. Die Gelenkspiegelung bietet wie alle anderen modernen endoskopischen Untersuchungs- und Therapieverfahren im Vergleich zu herkömmlichen Methoden viele Vorteile – einerseits erleichtert sie den Ärzten die Diagnostik und Behandlung, andererseits ist sie für die Betroffenen weniger belastend:

Eine Arthroskopie ist weniger schmerzhaft,

es besteht ein geringeres Infektionsrisiko,

die Wunde heilt schneller und 

die Betroffenen können das Gelenk nach der Arthroskopie früher wieder bewegen und belasten

Anwendungsgebiete

Die Arthroskopie (Gelenkspiegelung) eignet sich für viele Anwendungsgebiete: Arthroskopien nehmen sowohl in der Untersuchung als auch in der Behandlung von Gelenkerkrankungen einen hohen Stellenwert ein. Arthroskopische Eingriffe ersetzen heutzutage viele Gelenkoperationen, für die früher ein offener Eingriff mit großem Schnitt notwendig war. Die Arthroskopie kommt unter anderem bei Gelenkknorpelschäden zum Einsatz. Dies geschieht am häufigsten am Knie, um Schäden am Meniskus oder Kreuzband arthroskopisch zu untersuchen und zu behandeln. Grundsätzlich ist eine Arthroskopie aber auch an anderen Gelenken möglich, wie Schulter, Hüftgelenk, Ellenbogen, Handgelenk oder Sprunggelenk. Beispiele sind Arthrose, Gelenkentzündungen oder rheumatoider Arthritis (Knorpelglättungen, Entfernung freier Gelenkkörper, Entfernung der Gelenkinnenhaut usw.), Kreuzbandschäden wie dem vorderen Kreuzbandriss (VKB-Ersatzplastik), Instabilitäten der Kniescheibe (MPFL-Plastik) Meniskusschäden wie einem Meniskusriss

Durchführung

Sobald die Anästhesie wirkt und die betroffene Person keine Schmerzen mehr spürt, führt der Arzt über einen etwa fünf Millimeter langen Einschnitt das Arthroskop (bzw. die Sonde) in das Gelenk ein. Am Arthroskop selbst befindet sich eine winzige Kamera, die Bilder auf einen Bildschirm überträgt, sodass der Arzt während der Arthroskopie das Innere des Gelenks betrachten kann. So sind etwa im Kniegelenk Gelenkknorpel, Menisken und Kreuzbänder sichtbar.An dem Arthroskop sind außerdem zwei Schläuche angeschlossen, die Flüssigkeit (Kochsalzlösung) ins Gelenk einleiten beziehungsweise absaugen. Dies ist notwendig, um die Strukturen bei der Gelenkspiegelung noch deutlicher darzustellen. Hierzu füllt der Arzt das Gelenk mit Flüssigkeit auf. Schäden an den Gelenkstrukturen kann der Arzt meist schon während der Arthroskopie beheben. Um die hierzu nötigen Instrumente wie Schere, Messer, Haken und Fräsen einzuführen, setzt der Arzt einen zweiten (gegebenenfalls dritten) kleinen Hautschnitt. Nach dem Eingriff vernäht er die Hautschnitte und verbindet die Wunde. Da die Arthroskopie weniger schmerzhaft ist und die Wunde in der Regel schnell heilt, können die Betroffenen das Gelenk bald wieder bewegen und belasten. Die Aufenthaltsdauer variiert je nach Eingriff zwischen ambulanten Eingriffen und weinigen Tagen.

Nachbehandlung

Nach einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) ist eine entsprechende Nachbehandlung empfehlenswert: In der Regel erfolgt im Anschluss an arthroskopische Operationen eine Physiotherapie. Ziel der Krankengymnastik nach einer Arthroskopie ist es, die Funktion des Gelenks zu verbessern beziehungsweise wiederherzustellen und die Muskulatur im Bereich des Gelenks zu kräftigen. Es ist wichtig, dass die krankengymnastischen Übungen zur Arthroskopie-Nachbehandlung unter fachlicher Anleitung und über mehrere Wochen bis Monate stattfinden. Gegebenenfalls können im Anschluss an die Gelenkspiegelung zusätzliche physikalische Maßnahmen zur Nachbehandlung zum Einsatz kommen. Zeitweise kann es nach einer Arthroskopie auch sinnvoll sein, das Gelenk zu schonen. Kälteanwendungen und abschwellende Maßnahmen (z.B. das Gelenk hochlagern) sind unter Umständen ebenfalls ratsam. Welche Maßnahme in Ihrem Fall geeignet ist, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

Besondere Indikationen

Riß des vorderen Kreuzbandes (VKB-Plastik)

Durch die enorme Weiterentwicklung der arthroskopischen Operationstechniken sind die Behandlungsmöglichkeiten für den Kreuzbandersatz in den letzten Jahren erheblich verbessert worden. Kürzere Operationszeiten, ein geringeres Operationstrauma, weniger Schmerzen und ein besseres kosmetisches Ergebnis sprechen heute für diese minimal-invasive Operationsmethode. Ein korrektes operatives Vorgehen erfordert ein Höchstmaß an Erfahrung. Daher sollte ein derartiger Eingriff in spezialisierten Zentren wie der unseren vorgenommen werden. 

Fixation des Kreuzbandtransplantates

Gemeinsames Ziel sämtlicher Rekonstruktionstechniken ist die primärstabile Transplantatverankerung. Hierfür stehen verschiedene Fixationsmaterialien wie bioabsorbierbare Interferenzschrauben und Fixationsbuttons (Knöpfe) zur Verfügung. Für alle gegenwärtig verwendeten Systeme wurde eine den postoperativen Stabilitätsanforderungen gerecht werdende initiale Haltekraft nachgewiesen. Letztendlich muss jedoch die Transplantatverankerung bis zur knöchernen Einheilung als eigentliche Schwachstelle der Kreuzbandplastik angesehen werden.

Zeitpunkt der Kreuzbandrekonstruktion

Bei frischer Ruptur kann der Eingriff im Sinne der Primärversorgung innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden erfolgen. Diese Option kommt u.a. bei knöchernen Kreuzbandausrissen sowie akut versorgungspflichtigen Begleitverletzungen wie nahtfähigen Meniskusrupturen oder komplexe Kniebandinstabilitäten mit Zerreißungen des Seitenbandsystems in Frage. In anderen Fällen wird der Operationszeitpunkt nach Abklingen der Entzündungsreaktionen nach einem 4- bis 6-wöchigen Intervall geplant. Während der entzündlichen Phase ist die operative Versorgung aufgrund der nachgewiesenen erhöhten Komplikationsrate im Sinne postoperativer Bewegungsstörungen (Arthrofibrose) nicht zu empfehlen. Eine Verkürzung der „6-Wochen-Frist“ ist möglich und vertretbar, wenn sich das Gelenk bereits vorzeitig in einem reizfreien Zustand befindet. Bis zum Operationszeitpunkt wird das Gelenk funktionell konservativ behandelt. Im Vordergrund steht die Durchführung abschwellender Maßnahmen sowie die Wiederherstellung funktioneller Bewegung. Der präoperative Einsatz stabilisierender Knieorthesen ist bei ausgeprägter Instabilitätssymptomatik und bei begleitenden Läsionen des Innenseitenbandes indiziert.

Auswahl des Transplantates

Der arthroskopische Kreuzbandersatz mittels autologer (körpereigener) Sehnentransplantate hat sich heute als Standard durchgesetzt. Verwendet werden Hamstringsehnentransplantate (Semitendinosus- und Gracilissehne) in dreifach- und vierfach-Bündeltechnik sowie Patellarsehnenstreifen, Quadrizepssehnen und nach mehrfach Rupturen auch Spendertransplantate. Gemeinsame Eigenschaft dieser Transplantate ist eine mit dem natürlichen vorderen Kreuzband vergleichbare Zerreißkraft und Elastizität. Dennoch unterscheiden sich die Transplantate hinsichtlich ihrer Entnahme und ihrer Verankerungsmöglichkeiten.

Wahl des Sehnentransplantates zum Kreuzbandersatz

Es gibt mehrere Möglichkeiten das vordere Kreuzband zu ersetzen, alle für den Kreuzbandersatz verwendeten Sehnentransplantate haben primär eine höhere Reißkraft als ein normales menschliches vorderes Kreuzband.

Patellarsehne (Sehne unterhalb der Kniescheibe)

Als Kreuzbandersatz wird das mittlere Drittel der Sehne als „Bone-Tendon-Bone-“ (Knochen-Sehne-Knochen-)Transplantat entnommen. Vorteil dieser Methode ist die stabile Fixation sowie die rasche knöcherne Einheilung des Transplantates. Als Nachteile gelten Schmerzen, welche an der Entnahmestelle auftreten können und eine mögliche Verminderung der Muskelkraft des Oberschenkelstreckmuskels. Der so genannte „vordere Knieschmerz“ ist nach vorderer Kreuzbandplastik mit Patellarsehne statistisch häufiger als nach Ersatz mit Hamstringtransplantat. Daher sollte diese Operationsmethode nicht bei Patienten muslimischen Glaubens (Bethaltung) oder mit überwiegend kniender beruflicher Tätigkeit angewendet werden.

Nachbehandlung

Die Rehabilitation nach Kreuzbandrekonstruktion stellt eine bedeutsame Komponente des Therapiekonzeptes dar. Das vorrangige Ziel ist einerseits auf die frühzeitige Wiedererlangung eines freien Bewegungsumfangs, volle Belastbarkeit sowie muskuläre Kontrolle und Koordination ausgerichtet. Andererseits werden aktuelle Nachbehandlungskonzepte den wissenschaftlich nachgewiesenen biologischen Heilungsphasen angepasst. Gegenwärtig ist das in den 90er Jahren propagierte akzelerierte Rehabilitationsprogramm einer adaptierten und restriktiveren postoperativen Therapieplanung gewichen und berücksichtigt die individuelle Gewebereaktion und den Heilungsverlauf. Die postoperative Versorgung mittels einer, das Kniegelenk stabilisierenden, Knieorthese ist heute als Standard anerkannt. Bei optimal durchgeführter Rehabilitation ist mit einer belastungsstabilen Wiederherstellung der Kniegelenksfunktion und –stabilität nach 6-9 Monaten zu rechnen.

Verstärkung des Kniescheibeninnenbandes mit körpereigener Sehne (MPFL-Plastik)

Bei der MPFL-Plastik handelt es sich um eine Stabilisierung der Kniescheibe durch die Verstärkung  des Kniescheibeninnenbandes (das Mediale Patello-Femurale Ligament) mit einer körpereigenen Sehne. Diese Operation wird mit sehr guten Ergebnissen bei der patello-femuralen Instabilität angewandt. In diesen Fällen gleitet die Kniescheibe im Verhältnis zu ihrem Gleitlager zu weit außen weil das Band, welches die Kniescheibe nach innen zieht, zu locker ist. Dabei kann die Kniescheibe auch nach außen auskugeln (Patellaluxation).  Bei der MPFL-Plastik wird dieses Band mit einer körpereigenen Sehne verstärkt. Dadurch wird die Kniescheibe in ihrem Gleitlager stabilisiert und kann nicht mehr nach aussen herausrutschen.  Zunächst wird das Gelenk arthroskopiert. Die Fehlstellung wird bestätigt und eventuell vorhandene Begleitschäden an Meniskus und Knorpel können beseitigt werden.  Dann wir aus der Kniekehle über eine kleinen Schnitt die Grazilissehne mit einem Sehnenstripper entfernt. Diese ist meist 18-20 cm lang.  Über einen weiteren kleinen Schnitt werden 3 cm des Innenrandes der Kniescheibe freigelegt. Dort werden die 2 Sehnenenden mit kleinen Fadenankern fest verankert. Die Sehnenschlaufe wird unter der Haut durchgeführt bis zur Innenseite des Knies. Dort wird eine dritte kleine Inzision durchgeführt, über die dann die Schlaufe im Oberschenkelknochen mit eine bioresorbierbaren Schraube befestigt wird. 

Es kommt so zu einer sehr stabilen Konstruktion, welche die Kniescheibe während ihres gesamten Gleitvorgangs beim Beugen und Strecken des Kniegelenkes von innen stabilisiert und sie daran hindert, nach aussen aus ihrer Rinne heraus zu rutschen. Die bisher angebotenen Operationen wie das Spalten des äußeren Kniescheibenbandes (lateraes release) und/oder das Raffen des inneren Kniescheibenbandes (mediales realignment) zeigen unzufriedenstellende Ergebnisse, da das Bindegewebe mit der Zeit ausleiert und so der vorübergehende Korrektureffekt wieder aufgehoben wird.

Termine


04.09.19: 18:00 Uhr

Infoveranstaltung für Patienten, Angehörige und Interessierte. Der Eintritt ist frei.



23.11.19: 18:00 Uhr

Infoveranstaltung für Patienten, Angehörige und Interessierte. Der Eintritt ist frei.


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